Kunstschaffende mittels Atelierstipendien zu unterstützen ist eine erprobte Form unmittelbarer Kulturförderung. Oft wird verheissungsvollen Ansätzen so zum Durchbruch verholfen, oder die weitere Entwicklung eines Werks erfährt neue Impulse. In den Gastateliers in New York, Paris oder London findet ein Künstler selten die Möglichkeiten vor, wie sie im Atelierhaus im Sittertal bei St.Gallen bestehen.
Im grössten der drei Ateliers, einer Halle von sieben Metern Höhe, wurden beim Umbau die Gegebenheiten industrieller Produktion belassen: Der ebenerdige Zugang ist von Lastwagen befahrbar, ein frei beweglicher Kran kann fünf Tonnen tragen und macht grosszügige künstlerische Gesten möglich. Die beiden kleineren Ateliers bieten einen intimeren Rahmen für künstlerischen Ausdruck.
Die Ateliers liegen abseits von aller Hektik und Lärm und verfügen über Schlafgelegenheiten, eine Küche sowie Bad und WC. Das erlaubt Künstlern den Rückzug in konzentriertes Schaffen. Die Kunstbibliothek, das Werkstoffarchiv und die Ressourcen der hier ansässigen Betriebe bilden dafür ein ideales Klima.
Die Einrichtung des Atelierhauses hat sich schon vielfach bewährt: Urs Fischer hat hier für seine Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich mehrere Arbeiten produziert. Von Nic Bezemer sind grossflächige Malereien entstanden. In einem der beiden kleineren Ateliers realisierte Heiko Kalmbach Schnitt und Montage seines Dokumentarfilms über Wolfgang Tillmans. Das dritte Atelier im Haus ist vermietet: Die Künstlerin Katalin Deér arbeitet hier konsequent an den Grenzen zwischen bildlicher und plastischer Darstellung gebauter Strukturen.
Aus solchen Nutzungen kristallisiert sich ein flexibles Konzept der Bewirtschaftung heraus: Sobald die Finanzierung geklärt ist, wird ein Gremium von Kuratoren, Kunstschaffenden und Kunstvermittlern regelmässig mit der Einladung von Künstlern beauftragt. Diesen bietet das Sitterwerk die Möglichkeit an, in einem der Gastateliers ein ausgewähltes Projekt zu realisieren. Weiterhin wird man sich aber auch einmieten können, um auf die aussergewöhnliche Infrastruktur des Sitterwerk und seines Umfelds zurückgreifen zu können.

