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Atelierhaus
Atelierhaus

ORTHOGONAL ORNAMENTALE ONDULATORIK, ODER:
Andreas Karl Schulze im Gastatelier

Zum Abschluss seines Aufenthalts im Sitterwerk zeigte Andreas Karl Schulze im Rahmen des «offenen Ateliers» am 2. Dezember 2010 vor Ort entstandene Arbeiten. Der Titel mag zunächst etwas kryptisch erscheinen, ist jedoch Teil der künstlerischen Strategie. Im Laufe der neunziger Jahre hat Andreas Karl Schulze seine Formensprache auf ein kleines, monochrom bemaltes Quadrat aus Leinwand von der Grösse 5x5 cm reduziert. Format und Farbskala seines Grundmoduls hat sich der Künstler sorgfältig erarbeitet.

Andreas Karl Schulze arbeitet vorzugsweise in Verbindung zu einem bestimmten Ort. Im Gastatelier formieren sich die Quadrate anhand von Rastern zu Wandarbeiten, balancieren frei schwebend an einem dünnen Faden oder lassen sich verdichtet als winziges Objekt auf dem Schrank nieder.

Mit seinen stillen, aber markanten Interventionen gelingt es Andreas Karl Schulze Räume und Betrachter in eine Art Schwebezustand zwischen Verzauberung und Entzauberung zu versetzen – dabei liegen die Mittel der Verzauberung immer offen da. Und Entzauberung bedeutet im Sinne von Desillusionierung, dass tatsächlich nicht viel mehr da ist, als wenige einfache Grundelemente. So haben diese leichten Schwebezustände auch eine zutiefst existentielle Komponente und sind sich ihrer Flüchtigkeit bewusst. Die meisten Arbeiten des Künstlers sind Kunstwerke auf Zeit, nur noch anhand von fotografischen Dokumenten greifbar.

Andreas Karl Schulze bringt die Farbe in Form von kleinen Quadraten von der Leinwand in den Raum. Dabei überrascht immer wieder, mit welcher Leichtigkeit und feinem Humor der Künstler die formale Strenge des Grundrasters umsetzt.

Andreas Karl Schulze
Geb. 1955 in Rheydt (D)
Lebt in Köln

1979-1985 Studium Kunstakademie Düsseldorf/Münster
1999/2000 Lehrauftrag Staatliche Zeichenakademie Hanau
2006/2007 Vertretungsprofessur Staatl. Kunstakademie Karlsruhe/Freiburg


Ausstellungen (Auswahl):

Neuer Berliner Kunstverein
Westfälischer Kunstverein Münster
Kölnischer Kunstverein
Chinati Foundation, Marfa, Texas
Living Art Museum, Reykjavik
Kunstverein Düsseldorf
CCNOA, Brüssel
RMIT, Melbourne
Kunstverein Heilbronn
CASO, Osaka
Sleeper, Edinburgh
FIM, Museum Hombroich

 

Presseartikel im St.Galler Tagblatt:

2. Dezember 2010
Kristin Schmidt
Fünf mal fünf mal viele
St.Galler Tagblatt

Literatur in der Kunstbibliothek