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Atelierhaus
Atelierhaus

Ilona Ruegg im Sitterwerk

Das grosse Atelierfenster öffnet den Blick auf die winterliche Bachlandschaft der Sitter, auf Baumverästelungen, Sträucher, Steinformationen, Moosdecken, eine Landschaft wie aus einem japanischen Holzschnitt. Im Innern des geheizten Ateliers ein grosser Tisch, Bücher, Steinpapier, Schablonen, Spraydosen, fertige und begonnene Tuschezeichnungen, kleine Modelle aus Karton, grosse Holzfragmente und Aluminiumgüsse. Nur ein handgeschriebenes Zitat ist an die Wand geheftet – «Der Stein will zur Schleuder zurück» von Jochen Gerz, 1978 , und weckt mit der Spannung eines Haikus die Neugier der Besucherin. An diesem Ort scheinen sich Ideen, Beobachtungen, Material- und Gedankenexperimente, mit welchen sich Ilona Ruegg beschäftigt, zu verdichten. Das Sitterwerk hat sie eingeladen, das Gastatelier und seine winterliche Abgeschiedenheit als Ausgangspunkt und Rückzugsort zu nutzen. 

Ilona Ruegg (*1949) arbeitet mit Alltagsobjekten, die sie aus deren ursprünglicher Funktion und Kontext löst und durch minimale materielle und örtliche Eingriffe mit einer neuen Bedeutung versieht. Diese Bedeutungsverschiebungen in der Wahrnehmung des Betrachters exerzierte sie auch an der Arbeit durch, welche sie zwischen Ende November 2018 und Ende Januar 2019 im Sitterwerk-Gastatelier sowie in den Werkstätten der Kunstgiesserei intensiv verfolgte. Ausgangspunkt war die frühere Arbeit SCHONZEIT, für die sie einen Jagdhochstand mit einer Tarnkappenschicht (Antiradar-Beschichtung) «unsichtbar» gemacht hatte und in einen Skulpturenpark verpflanzte. Die Fragmente der demontierten Skulptur bildeten schliesslich die Basis für die Weiterführung dieses Transformationsprozesses. Unter dem Arbeitstitel «Erlkönig» kleidete sie die Bauteile partiell mit Karton ein, in Anlehnung an eine Camouflage-Technik, welche für Testfahrten von Autos zur Verbergung des neuen Designs genutzt wird. Als Tarnung der Tarnung goss die Künstlerin die Kartonfragmente wiederum im Direktausbrand-Verfahren in Aluminium. In diesem neuen Kontext verlieren sämtliche Teile ihre ursprüngliche Funktion und gewinnen eine neue Materialität – eine formelle und konzeptuelle Untersuchung von Sichtbarmachen und Verbergen.

Das offene Atelier fand am 22. Januar 2019 statt. Bei einem Gespräch mit Patricia Hartmann sprach Iona Ruegg über ihre Arbeitsweise, über die Arbeiten im Entstehen und über Perspektiven, die sie aus ihrem Aufenthalt im Sitterwerk mitgenommen hat.

Zur Webseite von Ilona Ruegg