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Atelierhaus
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Künstlerin Daniela Gugg im Gastatelier

«Ich fragte Grossvater, wie sich ein hundertjähriges Dasein auf dieser Welt anfühle. Das sei eine schwierige Frage, darüber müsse er erst nachdenken.»

Die in Berlin lebende Schweizer Künstlerin Daniela Gugg ist im August zu Gast im Sitterwerk. Hier nutzt sie den Raum, um begonnene Arbeiten auszubreiten und sie zu vertiefen. Eine davon ist die Neuauflage der Publikation «An Grossvaters Küchentisch», die sie 2015 für die von Daniel Morgenthaler kuratierte Ausstellung «Geschichte in Geschichten» im Helmhaus Zürich herausgegeben hat. Es sind Erzählungen von der Begegnung und vom Austausch mit ihrem inzwischen 101-jährigen Grossvater. Mehrere Jahre lang hat sich Daniela Gugg mit der Erinnerung des Grossvaters beschäftigt, ausgehend von zwei leeren Seiten seines Tagebuchs, auf welches sie zufällig gestossen war und die ihr Interesse weckten. Es ist die Zeit des Zweiten Weltkrieges, die er ausgespart hatte.

Von der Bestrebung, Erinnerungen festzuhalten und sichtbar zu machen, zeugt auch ihre jüngste Arbeit. Eine ehemalige Zigarettenhändlerin aus Berlin, die sie regelmässig trifft, hat ihr ihre Lebensgeschichte anvertraut und dabei auch von der vietnamesischen Tabakmafia berichtet. Nun ist sie daran, das angefangene Thema in eine Form zu bringen, mit dem Ziel, die Verästelungen dieser Geschichten erfahrbar zu machen.

Ein weiteres Projekt ist die Gestaltung eines Heftes der Reihe «Facetten», zu der die Kulturstiftung des Kantons Thurgau sie eingeladen hat. Dafür wird Daniela Gugg die Materialität des Mediums selbst thematisieren: Papier. In Belgrad ist sie Altpapier- und Kartonsammlern begegnet und ist ihnen gefolgt – bis in die Recyclinganlagen. Was sie auch hier interessiert, sind die Geschichten. Die Geschichten der Sammler, aber auch die Geschichten des Papiers. Im September steht ihr erneut eine Reise nach Belgrad bevor, auf die sie sich im Atelier des Sitterwerks sorgfältig vorbereitet.

Daniela Gugg ist im Thurgau geboren und lebt seit 15 Jahren in Deutschland. Nach ihrer Holzbildhauer-Ausbildung in München ist sie nach Berlin gezogen, wo sie an der Kunsthochschule ihr Studium absolvierte. Seit ihrem Abschluss 2011 arbeitet Daniela Gugg vor allem installativ.