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Atelierhaus
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Ueli Torgler - Offenes Atelier

03. Oktober 2017 , 18.00

Ueli Torgler war 2014/2015 Gastkünstler im Sitterwerk. Seither arbeitet er unter freiem Himmel hinter den Werkhallen der Kunstgiesserei an einem Lehmgarten, für welchen der Glarner Künstler alle paar Monate aus Hamburg anreist. Dann heisst es Lehm bewegen, in Handarbeit Material umschichten und umlagern, auftragen und abtragen – tagelang und bei jeder Witterung.

Fünf Versuchsfelder hat Torgler mittlerweile entwickelt, in welchen er Lehmlandschaften von unterschiedlicher Beschaffenheit anlegt, um sie dann den Gesetzen und Launen der Natur auszusetzen. Regen, Wind, Frost, Hitze und Trockenheit hinterlassen ihre Spuren, dringen ein, verändern das Material und seine Oberflächenstrukturen. Ueli Torgler beobachtet diese wetterbedingten Einflüsse und reagiert auf sie, indem er selber wieder Hand anlegt und körperlich einwirkt. So haben Künstler und Natur gleichsam Anteil am gestalterischen Prozess.

Den Umgang mit Massen und Portionen sowie mit den zeitlichen Intervallen, in welchen das Handeln stattfindet, bestimmt Ueli Torgler frei. Es gibt aber ebenso Regeln, denen er folgt. Zum Beispiel orientiert sich das plastische Arbeiten nicht an einem gegenständlichen Motiv.
Auch gewisse Pflanzen haben in Torglers Modell ihren Platz. So besiedeln, auf zwei speziell dafür erstellten Feldern, Moospflanzen eine Topografie, die aus Bestandteilen von gebranntem Lehm, Sand und Zement eine formfeste Landschaft bilden. Im Gegensatz zu den unbeständigen Lehmformationen der benachbarten Anlagen sind es hier die Pflanzen, welche den dynamischen Wandel bringen.

Mit dem Versuchsgarten im Sittertal testet Ueli Torgler seine Vorstellungen vom «Garten-Bauen» hinsichtlich einer tauglichen Realisierung als Kunstform in der Arbeitspraxis. Die zeitliche Dimension spielt dabei eine wichtige Rolle: Nur über längere Dauer entwickelt und beobachtet kann Torgler ein System, Regeln und Methoden erarbeiten, um aus der Prozesshaftigkeit, welche der Thematik des Gartens inhärent ist, Gartenmodelle zu entwickeln.

Am 3. Oktober 2017, rund zwei Jahre nach seinem ersten offenen Atelier, gibt Ueli Torgler nochmals Einblick in seine Arbeit und erzählt von den Entwicklungen und Erkenntnissen aus seinem Lehmgarten.

Aus der Zusammenarbeit mit Ueli Torgler ist 2015 die Gönneredition «Wurmgold» entstanden, die im Sitterwerk erhältlich ist. Sie geht zurück auf eine Arbeit aus dem Jahr 1990, für die Torgler einen Wurmballen in Originalgrösse aus Gold giessen liess.

Mit freundlicher Unterstützung von:
Anne-Marie Schindler Stiftung, Ennenda (GL); Brauchli Ziegelei AG; Kulturförderung des Kantons Glarus / Swisslos Kulturfonds (Projektbeitrag 2015/16); Markus und Brigitte Rauh; ZZ Wancor AG