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Kesselhaus Josephsohn
Galerie Felix Lehner AG
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Galerie Felix Lehner AG

Foto: Jürg Hassler. Fotografische Blicke auf Josephsohns Skulpturen I – Auftakt einer Ausstellungsreihe im Sitterwerk

24. April 2016 bis 26. Juni 2016

Der Fotograf und Filmer Jürg Hassler hat sich mit der Kamera über Jahre hinweg intensiv mit Hans Josephsohns bildhauerischem Werk beschäftigt. Nebst dem 1977 realisierten Film Josephsohn – Stein des Anstosses stellte er in den 1970/80er Jahren in Josephsohns Atelier in Zürich eine Vielzahl an Fotografien her. Die fast ausschliesslich schwarz-weissen Aufnahmen haben mehrheitlich einzelne Skulpturen zum Motiv und sind aus unterschiedlichen Anlässen entstanden: In erster Linie im Hinblick auf zwei Publikationen – einen Katalog zur Ausstellung im Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen (1975) sowie für die erste Monografie über Josephsohn (1981), ferner zu Dokumentationszwecken und um sie interessierten Ausstellungsmachern und Sammlern zukommen zu lassen. Die Ausstellung im Sitterwerk beleuchtet Eigenheiten von Hasslers Bildsprache – etwa die starken Hell-Dunkel-Kontraste oder die oft gewählte, frontale Hauptansicht – und legt dar, wie seine Aufnahmen die Auffassung von Josephsohns Skulpturen zu beeinflussen vermögen.

Die Ausstellung Foto: Jürg Hassler bildet den Auftakt einer Reihe zur fotografischen Auseinandersetzung mit Josephsohns Skulpturen. Im Rahmen des mehrteiligen Ausstellungsprojektes werden in loser Folge die Blicke verschiedener FotografInnen auf Josephsohns Werk, Atelier, Person und Ausstellungen thematisiert. Der Fokus liegt auf dem fotografischen und somit medienvermittelten Blick sowie seinem Einfluss auf die Wahrnehmung von Josephsohns Skulpturen. 

Josephsohns Werke sind seit den 1940er Jahren Motive für über ein Dutzend FotografInnen, die ihn in seinen Zürcher Ateliers an der Bergstrasse, Zürichbergstrasse und ab 1966 an der Burstwiesenstrasse besuchten. Nebst Jürg Hassler war das u.a. der Sozialforscher Roland Gretler, die Künstlerin Simone Kappeler, der Maler Max Hellstern sowie in jüngerer Zeit die Künstlerin Katalin Deér oder der Architekt und Fotograf Georg Gisel. Die Atelieraufnahmen geben Einblicke in Josephsohns frühere Ateliers und sind gleichzeitig Dokumente einer bestimmten fotografischen Haltung oder gar der Bildsprache der jeweiligen Zeit. Miteinbezogen in den Ausstellungszyklus werden Ansichten von Einzel- und Gruppenausstellungen Josephsohns, die auch aufzeigen, wie sich die kuratorische Praxis im Laufe der Zeit gewandelt hat.

Die Ausstellung Foto: Jürg Hassler findet sowohl im Kesselhaus Josephsohn als auch der Kunstbibliothek statt und wird von Nina Keel kuratiert. Sie dauert bis zum 26. Juni 2016. 


Begleitveranstaltungen:

Mittwoch, 25. Mai, 19 Uhr: Gesprächsabend mit Jürg Hassler
Sonntag, 5. Juni, 16 Uhr: Führung durch die Ausstellung
Mittwoch, 22. Juni, 19 Uhr: Filmvorführung Josephsohn – Stein des Anstosses (1977) von Jürg Hassler

Weitere Führungen auf Anfrage (nina.keel[at]kesselhaus-josephsohn.ch).
Zum Ende der Ausstellung erscheint eine Publikation.  

 

Jürg Hassler (*1938 in Zürich) ging in den 1950er Jahren in der Nähe von Josephsohns damaligem Atelier an der Zürichbergstrasse, wo sich heute die Kantonsschule Rämibühl befindet, ins Gymnasium. Sein Schulweg führte ihn täglich am Atelier vorbei, was das Interesse für die Arbeit des Bildhauers früh weckte. Nach Abschluss des Gymnasiums willigte Josephsohn ein, dass Hassler bei ihm als Assistent arbeiten und dabei das Handwerk der Bildhauerei erlernen könne. 1958-60 folgte ein Studium der Fotografie an der École des Art appliqués in Vevey. Von 1961-62 war Hassler in Neapel, um bildhauerisch tätig zu sein. Daneben sind zahlreiche Fotografien des neapolitanischen Alltagslebens entstanden, wovon ein Grossteil noch unpubliziert ist. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre reiste er für längere Zeit durch Frankreich, um Aufnahmen für die 1968 veröffentlichten Publikationen Les Français und Wiedersehen mit Marianne – Frankreich-Reportagen zu machen. Letztere realisierte er zusammen mit dem Journalisten Jean Villain. Im Jahr darauf erschien das Buch Die Schweiz. Paradies nach dem Sündenfall, bei dem Hassler für die Fotos und Villain für den Text zuständig war. Hassler besuchte in den Jahren 1967-68 die Filmklasse an der Zürcher Kunstgewerbeschule und war politisch in linken Kreisen aktiv. Dies führte auch zu seinem ersten Film Krawall (1970) über die Jugendunruhen von 1968 in Zürich. In den frühen 70er Jahren tingelte er als Varieté-Künstler durch Europa, schrieb Drehbücher und Theaterstücke. 1977 wurde Josephsohn – Stein des Anstosses, Hasslers Film über Josephsohn, veröffentlicht; 1981 eine Monografie des Philosophen Hans Heinz Holz über Josephsohn, worin die meisten Aufnahmen von Hassler stammen. Seit den 1980er Jahren wurden zahlreiche Filme u.a. von den Regisseuren Thomas Imbach, Christian Schocher oder Richard Dindo realisiert, bei denen Hassler als Kameramann oder Cutter mitwirkte. Hassler lebt und arbeitet in Küsnacht und Paris und beschäftigt sich seit 2000 wieder vermehrt mit bildhauerischen Fragestellungen.