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Kunstbibliothek
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Adam Feldmeth – Projekt in der Kunstbibliothek

Sonntag, 14. September 2014, 15 Uhr: Öffentliche Diskussion mit Adam Feldmeth und Akiko Bernhöft, Kunstbibliothek (in englischer Sprache)

Am Sonntag, den 14. September 2014, stellt der Künstler Adam Feldmeth in der Kunstbibliothek des Sitterwerks eine standortspezifische Installation vor, welche die dynamische Ordnung der nahezu 25‘000 Bände umfassenden Sammlung unter Berücksichtigung der physischen Gegebenheiten ihrer Architektur betrachtet.

Die Kunstbibliothek fungiert als Bezugsraum mit einem einzigartigen Erfassungssystem, das sich der Technik der Radio-Frequenz-Identifikation (RFID) bedient. Dieses System ermöglicht ein internes Zirkulieren und Inventarisieren, wobei kein Titel über eine fixe Position im Regal verfügt und doch alle Bücher mittels automatisierter «Reader» täglich erfasst werden. Stellen Benutzer ihre Auswahl zurück in die Bücherregale, wird der Standort dieser neu erfasst: Die RFID-Lesegeräte scannen jede Nacht die Bücherregale und katalogisieren so die Sammlung für eine spätere Suche via Internet.

Mittels einer präzisen Bewegung wird Feldmeth jedes der in den Bücherregalen von Erdgeschoss und Mezzanin befindlichen Bücher auf die entsprechende Position im jeweils anderen Stockwerk versetzen. Dieses gewaltige Unterfangen ist auch im konzeptionellen Sinn intensiv. Die vertikale Rotation des Bestandes wirft die Frage auf, inwiefern der Zugang zu Wissen durch den konkreten Zugriff einer Person auf diesen Inhalt mittels abstrakter gemeinschaftlicher Dynamiken ermöglicht wird. Durch die Neuordnung aller einsehbaren Bücher gemäss den architektonischen Gegebenheiten, findet keine Veränderung in der Zusammenstellung von Büchern statt. Die Verschiebung in der Höhe bringt jedoch eine neue Herangehensweise bezugnehmend auf die Wahrnehmung des Raumes mit sich. In unmittelbarer Folge der Rotation wird der Einzelne, wenn er vor den Bücheregalen steht, die vorherige Position jedes Buches in Bezug auf seine eigene Position, deutlich wahrnehmen können. Was nach dem letzten Besuch der Bibliothek noch das Obergeschoss war, ist jetzt das Erdgeschoss, und umgekehrt. Die darauffolgende Benutzung der Bibliothek ergibt schliesslich nach und nach die Auflösung der Installation. Zusätzlich zur physischen Bewegung der Bücher wird eine Postkarte, die den Kontext des Projektes erweitert, in den Bibliotheken der Stadt St. Gallen zum Mitnehmen aufliegen.

Am 14. September 2014, 15 Uhr findet in den getauschten Stockwerken eine öffentliche Diskussion zwischen Adam Feldmeth und der Kunsthistorikerin Akiko Bernhöft statt. Anschliessend Apéro.

Adam Feldmeth war an Ausstellungen in der TÄT-Galerie, Berlin, im Overgaden Institute for Contemporary Art, Kopenhagen, in der JB Jurve, Los Angeles, und in der Guggenheim Gallery der Chapman University, Orange, Kalifornien, beteiligt. Anstatt Kunstobjekte zu schaffen, widmet er seine Aufmerksamkeit eher dem Hinterfragen der tatsächlichen Gegebenheiten künstlerischen Diskurses, indem er einen umfangreichen Fokus auf detailorientierte Dialoge legt. Diese Beteiligung ergänzt stets den jeweiligen Kontext und bedingt diesen. Seine Untersuchungen und seine Beratertätigkeit, die im Rahmen der 53. Biennale von Venedig zur entscheidenden Berichtigung der Rekonstruktion einer Installation von Blinky Palermo führten, waren im Herbst 2011 Thema eines Artikels im X-TRA Contemporary Art Quarterly. Eine Installation für «The Chapel» an der University of Southern California soll im November 2014 realisiert werden. 

(Text: Adam Feldmeth, Kürzungen: Ariane Roth)