English
Kunstbibliothek
Kunstbibliothek

Dynamische Ordnungsstrukturen dank
RFID-Technologie

Der Bestand von rund 25'000 Büchern ist als Präsenzbibliothek für das Publikum verfügbar. Er wird derzeit erfasst und katalogisiert. Aktuell sind bereits 16'000 Bücher bibliothekarisch erfasst und auf der Webseite des Sitterwerk Katalogs abrufbar. In einem Pilotprojekt wird die räumliche Erschliessung durch eine RFID-Leseautomatik realisiert. Das erlaubt eine permanente Inventur und damit eine dynamische Ordnung. Die Bibliothek kann sich den Benutzern anpassen, welche themenspezifisch oder auch assoziativ Bücher in den Regalen zusammenstellen können. So werden in der Kunstbibliothek serendipische Entdeckungen möglich: Auf der Suche nach bestimmten Büchern findet man andere Bücher, die man zwar nicht gesucht hat und die gleichwohl im Fokus des Interesses liegen. Die Bücher-Zusammenstellungen werden im Katalog gespeichert, so dass dieses Prinzip unerwarteter und doch spezifischer Entdeckungen auch im digitalen Katalog zum Tragen kommt.

Permanente Inventur mittels RFID-Technologie

In der Kunstbibliothek im Sitterwerk sind die Bücher statt mit konventionellen Signatur-Etiketten mit RFID-Tags versehen. Diese Funketiketten lassen sich von einer Antenne mittels Radiowellen gezielt aktivieren, so dass sie spezifische Signale aussenden. Damit können von der Antenne aus die Etiketten und mit ihnen auch die Bücher identifiziert werden. Die Antenne wird von einer automatisierten Mechanik regelmässig am Bücherregal vorbeigeführt und kann so den aktuellen Standort jedes einzelnen Buches ermitteln und in den digitalen Bibliothekskatalog einspeisen.

Diese räumliche Erschliessung des Buchbestandes mittels der RFID-Leseautomatik ermöglicht die Inventur der Bibliothek in so kurzen Abständen, dass man von einer permanenten Inventur sprechen kann. Das erlaubt eine dynamische Ordnung der Bücher. Im Gegensatz zur konventionell mittels Signatur-Etiketten erschlossenen Bibliothek haben die Bücher in der Kunstbibliothek im Sitterwerk keinen fixen Standort, sondern man darf die Bücher im Prinzip willkürlich irgendwo ins Regal stellen: Dank der permanenten Inventur bleibt jedes einzelne Buch auch ohne fix definierten Standort immer auffindbar, denn im digitalen Katalog ist immer der aktuelle Standort vermerkt.

Das Prinzip der Serendipität als neuartige Suchoption

Dank diesen Voraussetzungen kann sich die Ordnungsstruktur in Folge der Benutzung und Bewirtschaftung laufend verändern und den Benutzern anpassen: Wer in der Bibliothek zu einem Thema arbeitet, kann dazu Bücher versammeln und diese Zusammenstellung schliesslich im Regal unterbringen. Aktualitäten können durch die Auswahl von Büchern illustriert werden – zum Beispiel Künstler, die in der Kunstgiesserei oder im Fotolabor ihre Arbeiten umsetzen lassen, neu entwickelte Techniken der Produktion und Restaurierung oder neuartige Bibliothekserschliessungssysteme. Es können auch einzelne Persönlichkeiten dazu eingeladen werden, ihren Interessen durch individuelle Zusammenstellungen Ausdruck zu verleihen.

Für die verschiedenen Benutzer der Bibliothek ergeben sich durch diese dynamische Ordnungsstruktur neue Optionen des Suchens und Findens von Büchern. Die aktuellen Zusammenstellungen und Büchergruppen in den Regalen erlauben sogenannt serendipische Entdeckungen: auf der Suche nach bestimmen Büchern findet man andere Bücher, die man zwar nicht gesucht hat und die gleichwohl im Fokus des Interesses liegen. 

Das Prinzip serendipischer Entdeckungen wird auf der Ebene des digitalen Katalogs abgebildet und erweitert: Die zusammengestellten Gruppen von Büchern werden in der Datenbank dokumentiert und bildhaft als virtuelles Regal dargestellt. So ergeben sich auch im digitalen Katalog neue Suchmöglichkeiten: Zusätzlich zur konventionellen Suche nach Autoren, Schlagwörtern etc. kann neu auch nach dem Kontext eines Buches im Sitterwerk gesucht werden: welche Bücher aktuell in seiner Umgebung stehen, oder in welchen Zusammenstellungen es schon gestanden ist. Durch die Abspeicherung und bildhafte Darstellung aller je bestandenen Zusammenstellungen in virtuellen Regalen wird die Möglichkeit unerwarteter und doch spezifischer Entdeckungen in der Zeitachse erweitert.

Verknüpfung von Werkstoffarchiv und Bibliothek

Der digitale Katalog im Sitterwerk umfasst auch das Werkstoffarchiv, so dass Materialmuster ebenso Bestandteile solcher Zusammenstellungen sein können. Ein mit RFID-Antennen ausgestatteter, sensitiver Tisch erkennt die auf ihm liegenden Materialien und Bücher, die als Zusammenstellung in der Datenbank dargestellt und abgespeichert werden können. So ergeben sich in natürlicher Weise digitale Vernetzungen zwischen dem Werkstoffarchiv und der Kunstbibliothek im Sitterwerk. (um)