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Kunstbibliothek
Kunstbibliothek

Das jüngste Projekt des Sitterwerks heisst «Werkbank» und ist ein weiterer Schritt in der Umsetzung des dynamischen Ordnungssystems. Es macht die physischen Archive der Kunstbibliothek und des Werkstoffarchivs über digitale Werkzeuge auf eine neue Art zugänglich. Dabei geht es um das Sichtbarmachen von Beziehungen zwischen Büchern und Materialien. Neben den zwei Lesegeräten, die einmal täglich die Regalreihen entlangfahren und mittels RFID-Technologie den Standort jedes Buches erfassen, umfasst das Ordnungssystem auch einen neu entwickelten ‹sensitiven Tisch›. Dieser erkennt über RFID-Antennen Bücher und Materialmuster, die auf ihm liegen, und verknüpft die Inhalte der beiden Sammlungen. Der Tisch ist zudem mit Kameras ausgerüstet, was den Nutzern ermöglicht, persönliche Notizen, Fotos und Inhalte aus Büchern zu den gespeicherten Zusammenstellungen hinzuzufügen. Eine für das Sitterwerk programmierte digitale Arbeitsumgebung ermöglicht es, Kommentare zur persönlichen Recherche und zur Lektüre zu erfassen. Als eine Art Produkt dieser wissenvernetzenden Arbeitsweise können die Resultate in einer bestehenden Layoutvorlage digital abgebildet und in Form eines Heftes auf Papier ausgedruckt werden. Dadurch nimmt die Recherche eine analoge Form an und kann als sogenanntes «Bibliozine» mit einem RFID-Tag versehen in die Bibliothek eingefügt werden oder als Publikationsform für eine Schriftenreihe zu Ausstellungen, Workshops und Symposien verwendet werden.

Das Projekt versteht sich in einem umfassenden Sinne als interaktive Arbeitsumgebung und ist ein weiterführender Schritt im innovativen Umgang mit dem Werkstoffarchiv, den Beständen der Kunstbibliothek und dem Prinzip der dynamischen Ordnung. Es hat zum Ziel, die digitale und haptische Welt an der Schnittstelle von Benutzer und Medium zusammenzuführen. Die Benutzer der Kunstbibliothek sind durch die Arbeit mit der neuen Station an der Weiterentwicklung der dynamischen Ordnung im Sitterwerk beteiligt. Die Arbeit mit dem neuen Tool im Umfeld der Kunstbibliothek und des Werkstoffarchivs, und nicht zuletzt die Erstellung der Notizen als digitale oder ausgedruckte «Bibliozines», ist ideal für Studenten und Forschende aus diversen Bereichen der Gestaltung, der Kunst oder Materialkunde. Die erstellten Notizen können auch für wissenschaftliches Arbeiten genutzt werden und dienen nicht nur als individuelles Arbeitsinstrument, sondern auch als Werkzeug für Gruppen oder Schulklassen.

Für die Konzeption und Umsetzung arbeitet das Sitterwerk seit 2013 mit Christian Kern (InfoMedis AG), Anthon Astrom, Lukas Zimmer (Astrom/Zimmer) sowie Fabian Wegmüller zusammen. Das Wissen, die hohe Motivation und Neugier dieser Programmierer und Designer macht die Umsetzung des Projekts überhaupt möglich. Christian Kern und seine Firma InfoMedis AG haben das Sitterwerk bereits in der Umsetzung der dynamischen Ordnung beraten und unterstützt. Die InfoMedis AG ist im Projekt verantwortlich für die RFID-Technologie, Astrom/Zimmer & Fabian Wegmüller für die Bilderkennung, die digitale Schnittstelle sowie die Produktion der Hefte. Am 23. November 2014 wurde das Projekt in der Kunstbibliothek Sitterwerk erstmals öffentlich vorgestellt. Es wurde unterstützt durch den Kanton, die Stadt St.Gallen sowie die Steinegg Stiftung, Herisau.

Artikel von David Weinberger zum Projekt.