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Kunstbibliothek
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Aus dem Off legen

Sechs Verlage für Kunst und ein Sammler

04. Juni 2007 bis 09. September 2007

Sechs engagierte und innovative Kleinverlage, die sich dem bibliophilen Kunst-Buch verschrieben haben, erhielten im Rahmen dieser Ausstellung in der Kunstbibliothek die Möglichkeit, sich vorzustellen. Diese sogenannten Off-Verlage stehen in einem vielfältigen Beziehungsnetz mit Sammlern und Künstlern, welche in diesem Zusammenhang exemplarisch von Daniel Rohner, Josef Felix Müller und Hans-Peter Feldmann repräsentiert wurden. Die Präsentation «Aus dem Off legen» bildete die Fortsetzung der Ausstellungsreihe zum thematischen Schwerpunkt der Bibliothek im Sitterwerk – der Verbindung von Buch und Kunst. Die vorgestellten Positionen waren:

Barbara Wien, Berlin
Seit 1988 führt Barbara Wien in Berlin ihr Unternehmen als Verlag, Galerie und Buchhandlung für Künstlerbücher. Der Verlag produziert vor allem Bücher und Mappen von Künstlern der Galerie. Die Publikationen werden nach den Vorstellungen der Autoren gestaltet und sind eigenständige Künstlerbücher und -editionen. Als Herausgeberin pflegt sie auch die Zusammenarbeit mit anderen Verlagen, z.B. mit der Edition Hansjörg Mayer, London/Berlin für «Dieter Roth: Gesammelte Interviews», 2002. Das Angebot der Buchhandlung umfasst Künstlerbücher seit den 60er Jahren, Kataloge und Texte von Künstlern. Spezialgebiete der Buchhandlung sind Fluxus und Konzeptkunst. Die Galerie verbindet künstlerische Konzepte der sechziger Jahre mit aktuellen Arbeiten.

Hans-Peter Feldmann, Düsseldorf
Der Künstler und Verleger Hans-Peter Feldmann lebt und arbeitet in Düsseldorf. Seit 1968 setzt er sich in konzeptionellen Ansätzen mit der Fotografie auseinander. Grundlage seiner Publikationen und Ausstellungen ist sein eigenes, stetig anwachsendes Bildarchiv, welches aus Zeitungsfotos, Amateuraufnahmen und künstlerischen Fotografien besteht. Bei der Auswahl des Materials für seine Publikationen, die er in zwei Eigenverlagen herausgibt (1974 Drei-Möwen-Verlag, 1998 Feldmann-Verlag), spielen für ihn ästhetische Bewertungskriterien und hierarchische Differenzierungen keine Rolle. Im Rahmen der Ausstellung im Sitterwerk waren im Gästezimmer der Bibliothek in einem intimen Rahmen die originalen Abzüge der Fotografien präsentiert, welche die Grundlage für das Büchlein «Alle Kleider einer Frau» (1974) bildeten.

Nieves, Zürich
Benjamin Sommerhalder war der jüngste der Eingeladenen. Er studierte Grafik-Design und publizierte von 1999 bis 2001 das kulturelle Magazin «Zoo». Wegen zu hoher Produktionskosten und weil er verlegerisch flexibler sein wollte, gründete er 2001 den Nieves Verlag. Als ideales Medium für seine Ideen erwiesen sich die «Zines» – fotokopierte Künstlerhefte in Kleinstauflagen von 100 bis 150 Exemplaren – die schnell zu begehrten Sammler-Objekten wurden. In vertiefter Zusammenarbeit mit Künstlern entstehen auch Künstlerbücher in limitierter Auflage. Mit seinen ungewöhnlichen Publikationen sorgt der Verlag für frischen Wind im Buchwesen. Nieves arbeitet mit einem internationalen Netz von KünstlerInnen zusammen – ein Schwerpunkt ist Japan – und veranstaltet selbst auch Ausstellungen.

edition fink, Zürich
Matthias Kuhn und Georg Rutishauser führen seit 1994 mit der edition fink einen kleinen Verlag für zeitgenössische Kunst. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Künstlerbücher und -kataloge sowie Multiples in kleinen Auflagen zu produzieren. In enger Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern entstehen zwischen zehn und 20 Publikationen im Jahr, alle in individueller Gestaltung und Ausführung.

Edizioni Periferia, Luzern/Poschiavo
Flurina und Gianni Paravicini-Tönz führen unter dem Motto «Zeitgenössische Kunst an peripherer Lage» seit 1986 eine Galerie und seit 1991 als Edizioni Periferia einen Verlag. Dieser produziert Bücher, Editionen und Videos von Schweizer Künstlern und Künstlerinnen mit speziellen thematischen Schwerpunkten; Normalausgaben, limitierte Sonderausgaben und Editionen als bibliophile Kunst-Objekte. Seit 2006 erscheint auch die «Collection Cahier d'Artistes» der Stiftung Pro Helvetia in der Edizioni Periferia. Die Reihe unterstützt junge professionelle KünstlerInnen, die noch nicht über eine eigene Publikation verfügen.

Vexer, St.Gallen
Der Künstler Josef Felix Müller gründete 1985 den Verlag Vexer mit dem Ziel, ein unabhängiges Gefäss für die Verbreitung künstlerischer Arbeiten aufzubauen. Den Verlag sowie seine kulturpolitischen Aktivitäten versteht Müller als wichtigen Teil seiner künstlerischen Arbeit. Die Publikationen – Bücher, Kataloge, Multiples, Videos, Grafikeditionen und Original-Künstlerbücher – entstehen in Zusammenarbeit mit den Kunstschaffenden. Die verlegerische Tätigkeit begann mit einer Serie von Textheften, die alle in kleinen Auflagen in Bleisatz gesetzt, im Buchdruckverfahren gedruckt und zusammen mit Freunden von Hand gebunden wurden.

Daniel Rohner, St.Gallen
Daniel Rohner repräsentierte in diesem Kontext von Kunstbuchverlegern und Künstlern die Position des Sammlers. Als Stifter des Bestandes der Kunstbibliothek verkörpert er den passionierten Sammler schlechthin. Er schaffte in einer eigenen Vitrine Bezüge zwischen den ausgestellten Verlagen und seiner eigenen Sammlung in der Kunstbibliothek.