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Mirko Baselgia über die Königin des Pflanzenreichs. Der Bündner Künstler zu Gast

11. Februar 2015

Am 11. Februar war der Bündner Künstler Mirko Baselgia im Sitterwerk zu Gast, wo er zusammen mit Annett Höland und Yves Schweizer, den Kuratoren der Ausstellung «Mit / Ohne Anspruch auf Vollständigkeit», das Material Holz als Ausgangslage einer Recherche nahm. Unter der Verwendung des neuen Arbeitstisches aus dem Projekt «Bibliozine» machte er eine Auslegeordnung mit eigenen Materialien und Büchern aus der Kunstbibliothek. Wofür er sich seit längerem interessiert: Die Libanonzeder, die vom Aussterben bedroht ist. In der Bibel wird sie als Gottesbaum und in diversen Pflanzenlexika als «Königin des Pflanzenreichs» bezeichnet. Mirko Baselgia berichtet im Gespräch mit den Ausstellungsmachern davon, dass man einst in Israel bei der Geburt eines Sohnes eine Zeder pflanzte. Diese war dann bis zur Hochzeit des Sohnes so gross, dass man aus ihr ein Brautbett zimmern konnte – mit dem Zedernholz als Symbol für Dauer und Beständigkeit der Ehe.

Sein persönlicher Bezug zu Holz ist zuerst einmal ein familiärer. Sein Vater, sein Grossvater, sein Urgrossvater seien Schreiner gewesen, was ihn wahrscheinlich sehr geprägt habe. Er schätze die sinnliche Komponente, der olfaktorische Aspekt, die Wärme, die Holz ausstrahlt. So ist denn Holz auch ein wichtiges Material in seinen Arbeiten, in ganz direkter Weise etwa bei den Hirtenstäben in «Bastung digl Paster – Aleph / Beth» oder in «The Bed of Procrustes – Europoolpalette». Aber auch in «Restructuraziun», gezeigt 2014 im Kunstmuseum Olten, wo er den Boden mit Tannennadeln, Sägespänen und Rinde in einem Renaissance-Muster «kachelte». Das «Bibliozine», in dem er die Resultate seiner Recherche zusammenfassend dargestellt hat, bleibt in der Kunstbibliothek, wo es, mit einem RFID-Chip versehen, Eingang in den Bücherbestand findet und für Bibliotheksnutzer zur Verfügung steht.