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Werkstoffarchiv
Werkstoffarchiv

Exkursion STUCK A TOUR

Carfahrt zu Stuckdecken und ins Gipsmuseum Schleitheim

06. Juni 2009

9.00 – 19.00 Uhr

Stuckdecken in St.Gallen, im Schloss Hahnberg bei Arbon, im Gelben Haus in Schaffhausen und das Gipsmuseum Schleitheim.

Fragen und Anmeldung bis spätestens 22. Mai 2009.
Platzzahl begrenzt, Unkostenbeitrag ca. Fr. 50.–/Person (inkl. Verpflegung)

Detailprogramm
09.00 Uhr: Besammlung im Sitterwerk
09.15 Uhr: Führung durch Ausstellung «Von Werkstoffen und Kunstwerken» im Werkstoffarchiv
10.00 Uhr: Stuckaturen in St. Gallen; Führung durch Niklaus Ledergerber, Denkmalpflege Stadt St. Gallen
12.00 Uhr: Stuckaturen im Schloss Hahnberg, Berg; Führung durch Adolf Röösli und Stuckatur-Spezialist Bruno Lombardi
15.00 Uhr: Stuckaturen «zum gelben Haus» Schaffhausen (www.zumgelbenhaus.ch) Führung durch Caro Stemmler, Präsident Heimatschutz SH
17.00 Uhr: Gipsmuseum Schleitheim (www.museum-schleitheim.ch) Führung durch Uli Stamm
ca. 19.00 Uhr: Zurück im Sitterwerk


Stuckmarmor und Rokokostuckaturen im Tafelzimmer des Abts von St.Gallen
Das Tafelzimmer im Hofflügel, der Residenz des Bischofs im St.Galler Stiftsbezirk, besticht durch eine farbige Stuckmarmor-Brüstung anstelle eines Täfers und die Rokokostuckaturen an der Decke. Der Speisesaal für die Gäste des Abtes wurde 1752 vom Lindauer Stuckateur-Meister Andreas Bentele gestaltet.

Stuck aus drei Jahrhunderten im grossen Hahnberg
Das Schloss Hahnberg oberhalb Arbon ist geprägt von einer eigentlichen Tradition der Begeisterung für Stuckdecken. In den oberen Etagen des 1616 erbauten Schlosses entstanden schon 1770 die ersten Stuckdecken, weitere kamen im 19. Jahrhundert dazu. Bei einer umfassenden Erneuerung integrierte der Zürcher Architekt Albert Froelich im Jahr 1920 auch im Eingangsbereich und im repräsentativen zentralen Raum des ersten Stocks Stuckdecken, welche im damals alltäglich verbreiteten Stil eines historistisch anmutenden Modernismus mit ländlichen Motiven gehalten sind.
Ganz anders ist der heutige Besitzer Adolf Röösli seiner Faszination für den Stuck nachgegangen. Er hat eine Decke aus dem Jahr 1758 von Andreas Moosbrugger aus dem Lindenhof in St.Gallen käuflich erworben und kurzerhand in den Gartensaal seines Schlosses einpassen lassen. Der Stuckatur-Spezialist Bruno Lombardi berichtet uns vor Ort, wie er die Aufgabe, die meisterliche Decke den Massen und Proportionen des neuen Standortes anzupassen, elegant gelöst hat.
Das Resultat dieser Stuckleidenschaften der verschiedenen Besitzer über die Jahrhunderte hinweg, ein merkwürdiges Ensemble verschiedener Ausprägungen von Deckenschmuck in Kalkmörtel, bildet auch in denkmalpflegerischer Perspektive ein interessantes Diskussionsobjekt.

Ein frühbarockes, meisterliches Jugendwerk im Gelben Haus in Schaffhausen
Ein eindrücklich kompaktes frühbarockes Konzept einer Stuckdeckengestaltung findet sich im sogenannt Gelben Haus im Stadtkern von Schaffhausen. Der Besitzer Caro Stemmler hat sich in den letzten Jahren engagiert um die vorsichtige und fachgerechte Restaurierung gekümmert. Nach den mehr oder weniger filigran gehaltenen Decken im Hahnberg wirken die sehr viel plastischer gestalteten Decken – das erste bekannte Werk des wegweisenden Stuckateurmeisters Samuel Höscheller (1630-1713) – auf den ersten Blick vielleicht etwas schwer: Die Raumhöhen im hochmittelalterlichen Altstadthaus sind für einen Prunksaal verhältnismässig gering, sodass man unerwartet nahe unter den Decken von 1659 steht. Die hohe Qualität des Resultats eines ausserordentlichen Gestaltungswillens zieht den Betrachter aber bald und nachhaltig in Bann.

Gips in der ursprünglichsten Form

Sehr viel weiter zurück – in 200 Mio Jahre alte Gesteinsformationen aus Gips – dringen wir zum Abschluss dieser Reise entlang von Stukkaturen in Kalk und Gips. Bis vor gut 100 Jahren wurde in Schleitheim bei Schaffhausen in einer malerischen Umgebung in einem kleinen Bergwerk Gips abgebaut. Schon in den 30er Jahren wurde hier von der Familie der ehemaligen Unternehmer ein Gipsmuseum  eröffnet, welches den Besuchern auch den Zugang zur eigentlichen Gipsader 300 Meter tief im Berginnern ermöglicht. Für diesen Spaziergang ins Erdinnere werden Bauhelme verteilt – aber nicht wegen des Einsturzrisikos, sondern weil man im niederen Zugangsstollen immer wieder mit dem Kopf an die Decke stösst. Uli Stamm, ein Enkel des letzten Betreibers des Bergwerks, kennt jedes Detail zum Thema Gips, dessen Abbau und Verwendung. (um)