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Werkstoffarchiv
Werkstoffarchiv

Die Formensprachen von Kunst, Architektur und Produktdesign sind immer geprägt von den verwendeten Materialien und Verarbeitungstechniken. Verschiedene Entwicklungen verleihen der alten Tradition der Werkstoffkunde heute eine ungeahnte Aktualität: Die beschleunigte Digitalisierung hat auch in den gestalterischen Branchen die Vielfalt der Arbeitsmittel auf Computer, Software, Bildschirm und Drucker reduziert. Gleichzeitig hat aber die zeitgenössische Kunst das semantische Potential von Materialien wieder entdeckt. Und eine Vielzahl innovativer Entwicklungen neuer Werkstoffe macht es immer wichtiger, dass die Eigenschaften von Materialien unmittelbar überprüft werden können.

Im Sitterwerk entsteht ein modernes Werkstoffarchiv. Unter anderem in der Kunstgiesserei wird für die Realisierung spezieller Aufträge oft mit verschiedenen Materialien und Techniken experimentiert und gearbeitet. So ist der Grundstock einer Sammlung von Materialproben zusammengekommen. Diese Muster werden zentral dokumentiert, systematisch aufgearbeitet, vervollständigt und laufend aktualisiert. Unterstützt von fachlicher Begleitung werden so die neusten Entwicklungen und auch fast vergessene Materialien und Verarbeitungsmethoden, die einzeln nur aufwändig zu beschaffen oder rekonstruieren sind, verfügbar gemacht.

Der Katalog zu dieser Sammlung an Werkstoffen wird im Verbund mit sechs Partnerinstitutionen erstellt: Die Online-Datenbank Material-Archiv umfasst neben der Materialsammlung des Sitterwerks auch jene des Gewerbemuseums Winterthur, der Abteilungen «Technik & Architektur» sowie «Kunst & Design» der Hochschule Luzern, der Hochschule der Künste, Bern, der ETH Baubibliothek, der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften zhaw, Departement «Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen» und der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. Material-Archiv bietet so unter www.materialarchiv.ch für gestalterische Berufsgruppen einen fundierten Zugang zu Materialwissen und Werkstoffen. Durch diese Zusammenarbeit mit verwandten Institutionen erfahren im Sitterwerk die Schwerpunkte von Kunstproduktion und Denkmalpflege eine ideale Ergänzung.

Dank digitalem Informationsmanagement sind heute in einem Archiv mehrdimensionale Ordnungsstrukturen möglich. So können sich überlagernde Gliederungen gleichzeitig verfügbar bleiben und lassen verschiedene Zugänge zur Sammlung offen, neue Kombinationen von Materialien und Verarbeitungstechniken können mit assoziativen Methoden entwickelt werden.

Als Speicher von Materialien, Erfahrungen und Wissen wird das Werkstoffarchiv dank seiner Verknüpfung mit der Kunstbibliothek im Sitterwerk auch für künftige Generationen bei der Restaurierung von heute entstandenen Kulturgütern von Bedeutung sein.


Der Aufbau des Werkstoffarchivs (2008-2010) wurde durch folgende Institutionen grosszügig unterstützt: Kulturförderung des Kantons St. Gallen, Fachstelle Kultur Stadt St. Gallen, Stiftung zur Förderung der Denkmalpflege, Credit Suisse Foundation, UBS Kulturstiftung sowie Arnold Billwiler Stiftung.