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17.06.2009

Katja Schenker

Sommer 2009 – Künstliche Sedimente

Verschiedene Verdichtungs- und Transformationsprozesse spielen in den Arbeiten und Performances von Katja Schenker oft eine zentrale Rolle: Bei ihren künstlerischen Umarbeitungen von Materialien, Werkstoffen oder auch Gebrauchsgegenständen verwendet sie merkwürdige Verfahrensweisen, welche sie oft aufgrund eines körperlichen Impulses entwickelt. Gleichzeitig macht sie sich auch die kulturgeschichtlichen oder metaphorischen Bedeutungskomponenten nutzbar, welche bei den verwendeten Materialien, Gegenständen, Verarbeitungstechniken oder auch deren Bezeichnungen mitschwingen. So zum Beispiel beim Rettungsfallschirm, welchen sie im Rahmen einer mehrstündigen Performance durch raffende Bewegungen und Vernähungen zu einem kompakten Objekt transformiert und verdichtet hat, das ganz offenbar an einem Rettungsring erinnert. Oder wenn sie die Aufmerksamkeit der Betrachter mit Eingriffen in bäuerlich oder auch urban kultivierte Landschaften subtil auf Sachverhalte lenkt, welche kaum je einem in den Blick gefallen oder in den Sinn gekommen wären und deshalb eine faszinierende Irritation auszuüben vermögen.

Als Gastkünstlerin im Sitterwerk realisiert Katja Schenker eine Arbeit für die Skulpturenausstellung U-Topics in Biel. Die kleinformatigen Modelle, anhand derer sie Materialfragen geklärt und Verfahrensweisen entwickelt hat, vermitteln schon eine Ahnung der Arbeit, die sie schliesslich in einer Grösse von zwei auf zwei Metern realisiert: Aus einer präzis gewählten Zusammenstellung verschiedener Materialien erzeugt Katja Schenker ein in Zement gebundenes Konglomerat ähnlich einem Nagelfluhgestein mit unterschiedlichen Kieselsorten und -grössen. Dazu wird sie eine 50 Zentimeter tiefe Grube ausheben und diese mit Gesteinsbrocken, Metall-Guss-Resten, Hölzern etc. auffüllen. Die Objekte, welche sie dazu verwenden will, hat sie in den ersten Wochen ihres Atelieraufenthalts aufgrund akribischer Recherchen und glücklicher Zufälle gesammelt und vorbereitet: So wird z.B. der Oberschenkelknochen eines Rinds durch stundenlanges Kochen von sämtlichen Fleischresten gereinigt. Aus einem Steinbruch stammt eine Sammlung von Abschnitten diverser Gesteine, welche die Künstlerin vor der Vermengung noch behauen will. Holz in unterschiedlichen Formen, Grössen und Farben werden ebenfalls Teil des bewusst gestalteten Konglomerats bilden.

Die Künstlerin rechnet mit einem Gewicht von etwa fünf Tonnen, welches schliesslich aus der Grube zu heben sein wird und dann mit einer Diamantschnur-Säge zu einem vierseitig präzisen Kubus geschnitten wird. Durch die exakten Schnitte werden die Vermengungen, Verbindungen und Verdichtungen der nur scheinbar zufällig verwendeten und in der Grube platzierten Objekte für den Betrachter unmittelbar ablesbar sein.

Für die Edition 5, welche in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Valentin Carron, Fabrice Gygi, San Keller oder Roman Signer und vielen anderen seit 15 Jahren regelmässig auf fünf Exemplare limitierte Multiples herausgibt, arbeitet Katja Schenker zurzeit an einer Edition solcher künstlicher Sedimente.